Glossar · Druck & Material
Leinwandgrundierung
Kurzdefinition
Die Grundierung ist eine mehrschichtige Beschichtung, die das Leinwandgewebe vor dem Druck verschließt. Sie verhindert, dass Tinte in die Fasern läuft, und schafft eine Oberfläche, auf der die Farbe kontrolliert aufliegt. Ihre Qualität entscheidet über Schärfe, Farbraum und Haltbarkeit des Drucks.
| Material | Acryl- oder Gessomasse |
|---|---|
| Auftrag | mehrere dünne Schichten |
| Funktion | Gewebe verschließen, Tinte fixieren |
| Zu dünn | Farben laufen aus, Bild wirkt stumpf |
| Zu dick | Struktur verschwindet, Leinwand wirkt wie Papier |
| Farbe | weiß, gelegentlich getönt |
| Bei Kunstdruck ergänzt durch | tintenaufnehmende Deckschicht |
Die unsichtbare Schicht, die alles entscheidet
Rohes Baumwollgewebe würde Tinte aufsaugen wie ein Löschblatt. Die Farbe zöge in die Fasern, liefe seitlich weiter und der Druck würde ausfransen. Die Grundierung verhindert das: Sie schließt die Poren und bildet eine Fläche, auf der jeder Tropfen dort bleibt, wo er auftrifft.
Für den Tintenstrahldruck reicht die klassische Malereigrundierung allein nicht aus. Moderne Drucklinienwände tragen zusätzlich eine tintenaufnehmende Deckschicht, die den Tropfen aufnimmt, sofort abbindet und die Pigmente an der Oberfläche hält. Ohne sie wäre der Farbraum deutlich kleiner.
Die Gratwanderung
Eine zu dünne Grundierung lässt Tinte durchschlagen. Feine Linien werden weich, Schwarz erreicht keine Tiefe, das Bild wirkt matt und flau.
Eine zu dicke Grundierung ist der häufigere Fehler bei günstiger Ware. Sie füllt die Gewebestruktur auf, bis von der Leinwand nur noch eine glatte weiße Fläche übrig ist. Der Druck sieht dann aus wie auf beschichtetem Papier – und man fragt sich zu Recht, wozu die Leinwand überhaupt gut war.
Das heißt für dein Wandbild
Prüfen kannst du das an einem einfachen Merkmal: Halte das Bild schräg ins Licht. Ist die Gewebestruktur noch sichtbar und fühlbar? Dann ist die Grundierung richtig dosiert. Wirkt die Fläche glatt und geschlossen, wurde zu viel aufgetragen.
Der zweite Test betrifft die Kanten. Bei einem Bild mit Spiegelrand läuft der Druck um die Keilrahmenkante herum. Bricht die Farbe dort auf oder reißt die Grundierung beim Spannen ein, war das Material zu spröde – ein Zeichen für zu viel oder zu harte Grundierung.
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Häufige Fragen
Was ist Gesso?
Eine weiße Grundiermasse aus Bindemittel und Füllstoff, ursprünglich aus Kreide und Leim. Heute meist auf Acrylbasis. Sie verschließt das Gewebe und schafft eine druck- oder malfähige Oberfläche.
Warum sieht man bei manchen Leinwänden keine Struktur mehr?
Weil zu viel Grundierung aufgetragen wurde. Sie füllt das Gewebe auf, bis die Oberfläche glatt ist. Der Druck sieht dann aus wie auf beschichtetem Papier.
Kann ich eine Leinwand selbst grundieren?
Für Malerei ja, mit Gesso und einem breiten Pinsel. Für den Tintenstrahldruck nicht sinnvoll – dafür braucht es eine spezielle tintenaufnehmende Beschichtung.